Psychische Gesundheit: Jugendliche brauchen Unterstützung 02.11.2026

Beim Feierabendanlass des Berufs- und Weiterbildungszentrums Buchs Sargans (BZBS) sprach Psychiater Marc Risch über die Herausforderungen, denen junge Menschen heute begegnen. Um Jugendliche in dieser Lebensphase gut unterstützen zu können, seien alle gefordert, betonte der Referent.

Am BZBS finden regelmässig Feierabendanlässe zu aktuellen Themen statt. Stefan Gurtner, Leiter Grundbildung, ging in seiner Begrüssung auch auf den anschliessenden Austausch beim Apéro ein, der besonders wichtig sei. Auf dem Weg zur Entwicklung ihrer eigenen Persönlichkeit würden Berufsbildnerinnen und Berufsbildner, Lehrpersonen sowie Eltern die Jugendlichen begleiten, sagte Stefan Gurtner.
Marc Risch, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, führt in Buchs eine eigene Praxis. In einem unterhaltsamen, tiefsinnigen und eindringlichen Referat gab er den zahlreichen Teilnehmenden Einblick in die Adoleszenz. Diese Phase, die von der späten Kindheit über die Pubertät bis zum Erwachsenenalter reicht, sei eine grosse Herausforderung. Risch wies darauf hin, dass zunehmend jüngere Menschen psychisch erkrankten. Die Entwicklung während der Adoleszenz verlaufe in Schüben. Damit Schwierigkeiten oder psychische Störungen entstehen, müssten immer drei Faktoren zusammenspielen: psychologische, biologische und soziale Einflussfaktoren.


Zahlen geben zu denken
Mit eindrücklichen Zahlen gab der Referent zu denken. Rund 20 Prozent der Menschen hätten ein Risiko, psychisch zu erkranken. Bei 25 Prozent bestehe gar das Risiko, im Laufe des Lebens einmal ernsthaft aus der Bahn zu geraten. In einem Kollektiv benötigten rund zehn Prozent der Menschen Unterstützung. Auf die Lernenden am BZBS übertragen, bedeute dies gemäss Statistik, dass rund 300 Personen irgendeine Form von Unterstützung benötigten. Risch richtete den Blick dabei auch auf die Eltern: «In Europa wächst jedes vierte Kind mit einem psychisch belasteten Elternteil auf.» Zum Thema psychische Erkrankungen gehöre auch der Suizid. Bei rund 3000 Lernenden am BZBS sei statistisch gesehen mit drei bis neun Suizidversuchen pro Jahr zu rechnen, erklärte der Psychiater.


Angst, Panik, Zwangsstörungen
Im Weiteren ging Marc Risch auf mögliche Ursachen psychischer Belastungen ein. Dazu zählte er Einsamkeit und soziale Ausgrenzung, Bewegungsmangel und Probleme beim Schlaf. Auch der direkte Augenkontakt habe gegenüber früher abgenommen. Zu den typischen psychischen Erkrankungen im Jugendalter gehörten Angststörungen, Panik, Depressionen und Zwangsstörungen. Zudem sprach Risch über stoffgebundene und nicht stoffgebundene Süchte. «Jede Störung folgt ihren eigenen Regeln. Bei psychischen Erkrankungen reagiert der Körper immer mit», hielt der Referent fest.
Risch stellte zudem fest, dass Erwachsene und Eltern heute nicht mehr so stabil seien wie frühere Generationen. «Wir müssen die Eltern in die Pflicht nehmen», betonte er. Dies gelte auch im Umgang mit sozialen Medien. Ein möglicher Ansatz wäre für ihn, dort ähnliche Schutzvorschriften anzuwenden wie bei Filmen.
«Es gibt das Sprichwort, dass es ein ganzes Dorf braucht, um ein Kind zu erziehen. Bei den Jugendlichen in der Adoleszenz braucht es uns alle. In dieser verrückten Welt braucht es den Austausch. Ein wesentlicher Faktor ist auch genügend Bewegung», fasste Marc Risch zusammen.

Liste von Begleitdokumenten zum Referat